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1816

a psychedelic dark-wave opera
 

Hintergrundinformationen

Auch von diesem Album haben wir die Handlung der Lieder noch etwas ausführlicher dargestellt.
Aber auch hier gilt:
wer sich lieber überraschen lässt, sollte diesen Text nicht lesen, bevor er die CDs gehört hat.
 
 
Akt 1
April 1816
Byron: Enfant Terrible
Polidori: Polly Dolly
Akt 2
Mai 1816
Shelley: Cor Cordium
Mary: Traumtänzerin
Claire: Stalc(l)aire
Akt 3
Diodati
Byron: Das Empfinden
Shelley: Der kälteste Sommer
Akt 4
Sommergewitter
Mary: Leuchtender See
Polidori: Mensch-Maschine
Juni 1816
 
Albumcover: 1816
Akt 5
Geisterstunde
Claire: Phantasmagoriana
Mary: Dr. Darwin
Akt 6
Laudanum
Mary: Geisterkind
Shelley: Medusa' s Augen
Byron: Schreckenstraum
Opiumträume
Akt 7
Polidori: Versenkt im Grabe
Mary: Vampire
Akt 8
Trauermarsch
Claire: Todesreigen
Was übrig bleibt
März 1879
 
 

 

1. Akt

 

April 1816

Es ist ein schöner April im Jahre 1816.
Byron und Polidori machen sich auf die Reise.
 

Byron: Enfant Terrible

Lord George Gordon Noel Byron war ein sehr berühmter Dichter, der vor allem von Frauen für seine wundervollen Gedichte geschätzt wurde. Er war rastlos, leidenschaftlich, arrogant und fasziniert von anstößigen und düsteren Dingen. Doch sein dichterischer Ruhm wurde durch seine vielen Affären, auch mit verheirateten Frauen, getrübt. Zum Verhängnis wurde ihm vor allem die Liebe zu seiner Schwester Augusta, die ihm sogar ein Kind gebar. Um das zu vertuschen heiratete er, doch nachdem er zu viel trank und seine Frau schlug, verließ sie ihn. Sein gesellschaftlicher Ruf war nun völlig zerstört. Doch er stand über diesen Dingen und war Freidenker und Rebell genug um sich nichts aus der Meinung der Gesellschaft zu machen. Trotzdem litt er unter seinem kaputten Fuß, der ihn schon als Kind von Spielen und Tänzen abhielt. Den dadurch entstandenen Mangel an Selbstvertrauen überspielte er mit seinen Eskapaden. Er wollte leben und fühlen. So verließ er das zu klein gewordene England und gab sich ganz seinem Drang nach Leben hin.
 

Polidori: Polly Dolly

Mit ihm reiste Dr. John Polidori, der gerade erst mit einer Abhandlung über Schlafwandeln und Albträume Arzt geworden war. Ein Verleger beauftragte ihn ein Tagebuch von der Reise anzufertigen. Doch neben der willkommenen Einnahmequelle folgte er Byron auch blind vor Liebe, obwohl Byron ihn oft demütigte, quälte und bei jeder Gelegenheit verspottete.
April 1816
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Mai 1816

2. Akt

 

Mai 1816

Im immer noch freundlichen Mai verlassen auch drei andere Reisende England: Shelley mit seiner Geliebten Mary und ihrer Schwester Claire. Auch Marys und Shelleys Sohn William ist dabei.
 

Shelley: Cor Cordium (Herz der Herzer)

Percey Bysshe Shelley war Philosoph und Dichter. Vor allem aber war er gegen die Gesellschaft und die gängigen Konventionen und verfasste politische Schriften. Der romantische Naturliebhaber war zwar verheiratet, verließ seine Frau und sein Kind aber um mit Mary (und mit anderen Frauen) in freier Liebe zu leben. Da er viel von Byron hielt, konnte er schnell von einem Besuch bei ihm überzeugt werden.
 

Mary: Traumtänzerin

Mary Godwin (später Mary Shelley) spielte schon als Kind mit Elfen und Zwergen. Sie hatte die phantastischsten Träume, doch blieben die Geschichten, die sie schrieb, immer nur ein Schatten davon. Sie war das Kind eines Anarchisten und einer Frauenrechtlerin. Daher war sie sehr eigenständig und politisch radikal, gebrauchte ihren Verstand und glaubte an die freie Liebe. Vor der grauen Eintönigkeit der Wirklichkeit floh sie in ihre Geschichten. Nach dem Tod ihrer Mutter traf sie auf Shelley, die Liebe ihres Lebens. Shelley verehrte ihren Vater, doch der war im Alter nicht mehr der Rebell von früher und verachtete Shelley. Sie schenkte Shelley zwei Kinder, jetzt, im Mai 1816, ist nur noch das zweite am Leben. Das andere Kind lebt nur in ihren Träumen weiter. Zum öffentlichen Skandal geworden flieht Mary mit den anderen vor ihrem Vater und der Gesellschaft aus Englang. Mary hält nicht viel von der Idee Byron zu folgen. Doch sie würde Shelley überall hin folgen.
 

Claire: Stalc(l)aire

Clara Mary Jane nannte sich Claire Clairmont um sich von ihrer Schwester Mary abzuheben. Sie war nicht so überlegt wie Mary, sondern ungestüm, wild und vulgär. Sie verliebte sich in Byron und da dieser ihr verriet, wo sein Reiseziel lag, überredete sie die anderen ihm in die Schweiz zu folgen. Doch nicht nur ihre Liebe treibt sie ihm nach, sie erwartet auch ein Kind von ihm.
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3. Akt

 

Diodati

Unsere fünf Charaktere haben also England verlassen. In diesem Lied erlebt ihr das Ende ihrer Reise. Steigt mit Mary, Shelley und Claire in das Boot und rudert in der Abenddämmerung über den Genfer See. Lauscht dem Zwitschern der Vögel und genießt die Stille, während vor euch die Villa Diodati vor dem flammenden Himmel auftaucht. Durch das Schilf am Ufer kommt ihr in Byrons Exil an.
 

Byron: Das Empfinden

Byrons Lebensziel ist das Leben zu spüren, mit all seinen Schmerzen und Erregungen. Er reist durch die Kälte und Nässe der damaligen Zeit, durch Hungersnöte und Epidemien und gelangt zum Genfer See, wo er die Natur in ihrer Schönheit genießt. Er verzehrt sich immer noch nach seiner Schwester und auch die Trennung von seiner Frau belastet ihn sehr und so bringen ihm die Naturwunder um ihn her keine Linderung. Er flüchtet sich in Laudanum, seine Gefühle und seine Liebschaften. Und auch das Wetter passt sich seiner Gemütsverfassung an. Ein Sturm zieht auf und bringt Düsternis, Kälte, Regen und Gewitter.
 

Shelley: Der kälteste Sommer

Doch bevor der Sommer sein Gesicht verliert, treffen sich die fünf oft und machen Ausflüge in die Natur oder rudern über den See. Sie werden dabei von Touristen mit Teleskopen beobachtet. Immerhin sind sie eine Gruppe gesellschaftlich Verstoßener, berühmt, geächtet und vielleicht sogar teuflisch. Natürlich schreiben und lesen die Poeten auch sehr viel. Und dann bricht der kälteste Sommer aller Zeiten über sie herein und ihre weitere Zeit in Diodati wird von Gewittern und Regen, Laudanum und Tod überschattet.
Diodati
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Sommergewitter

4. Akt

 

Sommergewitter

Beginnend in der schwülen, drückenden Hitze eines Nachmittags, entfaltet ein Gewitter seine volle Stärke. Es zieht schnell wieder vorbei und hinterlässt die letzten Tropfen funkelnd in der Sonne.
 

Mary: Leuchtender See

Mary ist fasziniert von der Naturgewalt, der Schönheit und der Lebenskraft die sich im Gewittersturm entlädt. Nie hat sie ein schöneres Gewitter gesehen. Die Natur und auch das Wetter beflügeln ihre Fantasie und sie widmet sich ihrer Lieblingsbeschäftigung: dem Geschichten erfinden.
 

Polidori: Mensch-Maschine

Während eines solchen Gewitters beobachten Polidori und Byron, wie Mary durch den Regen auf das Haus zuläuft. Byron erlaubt sich, wie immer, einen Scherz und bringt Polidori dazu Mary vor dem Regen zu retten, indem er vom Balkon zu ihr hinunter springt. Unter Byrons Gelächter verstaucht sich der dickliche Arzt den Fuß und zieht sich beleidigt zurück. Am Abend reden Polidori und Shelley noch lange darüber, dass der Mensch eigentlich nur eine Maschine ist.
 

Juni 1816

Es ist ein düsterer Juni, verregnet und kalt und das wird noch einige Zeit so bleiben.
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5. Akt

 

Geisterstunde

Der unheimliche, düstere Sommer beginnt seine Wirkung zu zeigen. Die Glocke schlägt zur Geisterstunde.
 

Claire: Phantasmagoriana

Die Gruppe vertreibt sich die Regenzeit mit Geistergeschichten, die sie sich gegenseitig vorlesen. Mitgerissen von der schaurigen Stimmung beschließen sie alle einen Wettbewerb zu veranstalten und eine Geistergeschichte zu schreiben. Alle bis auf Claire, die als Einzige niemals dichtete.
 

Mary: Dr. Darwin

Doch sie lesen nicht nur, sondern unterhalten sich auch bis tief in die Nacht. An den philosophischen Gesprächen beteiligen sich hauptsächlich Shelley und Byron. Sie überlegen, ob das Lebensprinzip je entschlüsselt werden wird. Darwin hatte es ja zumindest geschafft einen toten Wurm mit Hilfe der Galvanik dazu zu bringen sich zu bewegen. Vielleicht kann man so ein Geschöpf aus Leichenteilen mit Strom zum Leben erwecken. Doch was wird aus dem Menschen, wenn er Gott versucht...
Phantasmagoriana
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Laudanum

6. Akt

 

Laudanum

Die unheimliche Stimmung vermischt sich mit dem stärker werdenden Rausch. Diodati wird von Albträumen und Visionen heimgesucht.
 

Mary: Geisterkind

Nach dem Gespräch über Dr. Darwin gehen alle ins Bett. Doch Mary kann nicht schlafen. Auf ihrem Bett liegend zeigt ihr ihr Geist erschreckende Bilder - ein Wissenschaftler kniet neben seinem Geschöpf. Sie kann ihn verstehen, da sie für das Leben ihrer toten Tochter alles tun würde. Sie sieht sie in ihren Armen liegen und ihr zulächeln. Doch das ist nicht die schreckliche Wirklichkeit. Es bleiben nur Marys Schuldgefühle wegen dem Tod ihrer Tochter und ihrer Mutter. Alle die sie liebt werden sterben! Sie sieht das Geschöpf, das durch Strom wieder erweckt wird. Das hässliche Monster erhebt sich und holt seinen Schöpfer ein. Auch er wird sterben! Mary kommt wieder zu sich, ist aber immer noch von den Bildern besessen. Um sich abzulenken nimmt sie die Geistergeschichte zur Hand, die sie begonnen hatte und mit der sie bisher noch gar nicht zufrieden war. Sie möchte den Leser in Furcht und Schrecken versetzen, genauso wie sie sie in dieser Nacht erlebte. Und so beschließt sie eine neue Geschichte zu beginnen und dort das hässliche Geisterkind aus ihrer Vision von den Toten auferstehen zu lassen.
 

Shelley: Medusa' s Augen

Berauscht lauscht Shelley Byrons Erzählungen über eine Hexe. Doch plötzlich steht nicht mehr Mary neben ihm, sondern die Hexe! Er kennt sie aus seiner Kindheit und fürchtet sich vor der hässlichen, nackten Gestalt. Er läuft davon und wird erst später von Polidori mit Äther etwas beruhigt. Ihm traut er auch seinen größten Schrecken an. Aus den Brüsten der Hexe blickten ihn Medusas Augen entgegen. Er empfand nie größere Angst, also beschließt er diese in seiner Geschichte an den Leser weiterzugeben.
 

Byron: Schreckenstraum

Byron erwacht aus einem schlimmen Opiumtraum, in dem die Toten aus ihren Gräbern kamen. Er liegt voll Schrecken in seinem Bett und ist immer noch in den Bildern gefangen. Er fühlt wie Egel, Vampiren gleich, ihm das Blut aussaugen.
 

Opiumträume

Doch trotz der Schrecken beginnt der Rausch zurückzugehen. Die Furcht verblasst und wird in Geschichten gebannt.
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7. Akt

 

Polidori: Versenkt im Grabe

Polidori weiß nicht genau, was er schreiben soll. Er begann mit einer Geschichte über eine Frau, die durch ein Schlüsselloch spioniert und dort Verbotenes sieht. Als Strafe wird ihr Kopf zum Totenschädel. Doch fällt ihm kein anständiger Schluss ein und da die Geschichte ohnehin nur abgekupfert ist, versenkt er sie unfertig im Grab.
 

Mary: Vampire

Byron schrieb eine Geschichte in der er selbst die Hauptperson zu sein scheint. Er raubt Frauen ihre Lebenskraft, genauso wie der Vampir in seiner Geschichte. Doch da es ihm auf Dauer zu langweilig wurde, schrieb er die Geschichte nie zu Ende. Doch ein anderer verfasst diese Geschichte und wird sie später sogar heraus bringen. Polidori macht sich, wie im echten Leben, zum Begleiter von Byron dem Vampir, dem er trotz allem immer die Treue hält.
Opiumträume
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Todesreigen

8. Akt

 

Trauermarsch

Die Dichter verlassen Diodati. Sie wandeln ihren schrecklichen Enden entgegen.
 

Claire: Todesreigen

Die vier Dichter erweckten in jenem Sommer Angst, Tod und Schrecken und wurden von Ihnen bis an ihr Ende verfolgt.
Nachdem Shelleys Frau sich im Meer ertränkt hatte, heirateten Mary und Shelley. Shelley wurde aber gerichtlich untersagt Kinder zu erziehen, da er zu rebellisch und radikal war. Doch dazu hatte er ohnehin kaum eine Gelegenheit.
Claires Tochter starb mit zwei Jahren an Typhus und Malaria in einem Kloster. Claire gab alle Schuld Byron und seinem lasterhaftem Leben. Sie hasste ihn für den Rest ihres Lebens.
Mary bekam insgesamt vier Kinder, doch nur eines überlebte. Bei der letzten Totgeburt wäre sie beinahe gestorben, aber Shelley konnte sie retten. Ihre Beziehung litt sehr darunter.
Polidor starb offiziell eines natürlichen Todes. Trotzdem ist überliefert, dass er sich verschuldet und von Byron verletzt mit Blausäure das Leben nahm.
Shelley starb im Meer wie seine erste Frau. Bei einem Bootsunfall im Sturm holte sie ihn zu sich. Tage später fanden Shelleys Freunde seine Leiche am Strand und verbrannten sie. Byron entzündete das Feuer und schrieb „Herz der Herzer” auf seinen Grabstein. Mary trauerte und wollte Shelley unsterblich machen. Deswegen schrieb sie Erinnerungen über ihn. Außerdem hob sie sein verkohltes Herz auf und wickelte es in seine Adonais. Sie bewahrte auch Locken von ihren toten Kindern auf und versank in Traurigkeit.
Byron zog in den griechischen Befreiungskrieg und erlitt dort dasselbe Schicksal wie seine Tochter: er starb an Malaria. Trotz seines langen Todeskampfes behielt er den Hang zu Tod und Düsternis und starb mit den Worten „Welch eine schöne Szene”. Seine Leiche wurde nach London überführt und viele bestellten eine Kutsche um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Doch da Byron so skandalös war traute sich doch niemand offen um ihn zu trauern und die bestellten Kutschen folgten leer seinem Sarg. Er blieb allein und verstoßen.
Jahre später erkrankte Mary an einem Gehirntumor und siechte langsam dahin. Sie konnte nicht mehr schreiben oder lesen und war zuletzt nur eine leere Hülle. Die Einzige, die eines natürlichen Todes starb war Claire, sie wurde sehr alt und entschlief.
 

Was übrig bleibt

Doch ganz gestorben sind die Dichter nicht. Sie hinterließen uns die berühmtesten Schreckgestalten der Geschichte: Mary Shelley's Frankenstein und die allererste gedruckte Vampirgeschichte von Dr. Polidori.
 

März 1879

Und so endete alles im März 1879 mit dem Tod der letzten Zeugin: Claire Clairmont.
 
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  Albumcover: 1816